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Wissenschaft in der Du-Perspektive

Wer ist an der Zeit?
Wissenschaft in der Du-Perspektive
von Robin Schmidt, August 2007

1. „Was ist an der Zeit?“ - Ich will zuerst zurück fragen: Wer fragt da und sucht eine Antwort? Philipp und Johannes? Oder haben sie die Frage bei Goethes Märchen abgeschrieben, das über 200 Jahre alt ist, und dort eine Aussage ist, nämlich vielsagend „Es ist an der Zeit!“? Oder stellen die beiden die Frage an die zukünftigen Teilnehmer der Tagung, die sie gar nicht kennen, und wissen selbst auch gar keine Antwort? Oder liegt die Frage in der Luft, und die beiden sind die Vermittler, die die Frage zu Gehör bringen, sie – wie sie sagen – „präsentieren“? Worin könnte dann aber eine Antwort bestehen? Einen Hinweis geben sie noch, indem sie nicht schreiben „Vier Tage Vorträge“, sondern „Vier Tage Gespräch“. Gespräch setzt voraus, dass da jemand ist, mit dem ich ins Gespräch komme, setzt die Anwesenheit eines „Du“ voraus. Wenn also Gespräch Kommunikation unter Anwesenden ist, und durch Gespräch die Antwort auf die Frage entstehen soll, dann kann ich voraussetzen, dass sich die Frage auch wirklich an jemanden richtet. Im Grenzfall – wie augenblicklich, vor der Tagung – kann ich das selbst sein, der mit sich selbst im Dialog ist. Andererseits handelt aber auch das Gesprochene, die kommenden Antworten, von einem Anderen, für das das Gespräch die Möglichkeit ist, über sich Auskunft zu geben. Kann ich auch das als ein „Du“ betrachten, das Antwort-Fähig ist? Wie aber erhalte ich eine solche Auskunft über ein Anderes, das mir ganz unbekannt ist? Oder einfacher gefragt: Wie beantwortet sich eigentlich eine Frage?
2. Antworten sind jedenfalls keine Sachen. Man kann sie nicht anfassen oder riechen. Sie treten nicht als Gegenstände, sondern in Form von Begriffen auf. Und Begriffe erscheinen im Denken, sofern ich denke. Begriffe enthalten das allgemeine Gesetz eines Dinges oder Vorgangs, der verständlich macht, wie oder was das Befragte ist. Das Allgemeine steht im Gegensatz zu seiner wahrnehmlichen Erscheinung, die das Individuell-Konkrete zeigt. Das Allgemeine ergänzt die Erscheinung aber auch, denn der Begriff enthält die Gesetzmässigkeit für das Ding, die überzeitlich und überörtlich ist. Die Voraussetzung der Erscheinung eines solchen Überzeitlichen und Überörtlichen ist das Denken. Wer denkt? Ich denke. Ich bringe das Denken hervor, erzeuge seine Existenz, denn es geschieht nicht, wenn ich es nicht will. Ich erzeuge das Denken, ich schaffe es und erlebe mich im Denken als selbsttätig. Diese Eigentätigkeit bringt nicht nur den Begriff zur Erscheinung, sondern führt auch – wenn ich auf die Tätigkeit des Denkens blicke – zu einer neuen Erfahrung meiner Selbst: denn ich erfahre mich durch das Denken als Ich, als selbstbewusst Tätiges, als Erzeuger von Existenz. Und dadurch – mich selbst denkend hervorbringend – als Schöpfer meiner eigenen Existenz. Im Denken des Ich ist Hervorbringen und Erkennen ein und dasselbe: denkend schaffe ich mich und mich erschaffend erkenne ich mich als selbstschöpferisches Wesen, unabhängig vom Raum und über aller Zeit. Ich bin im Denken die reine Erkenntnis, das Selbstschöpferische, das ewige Licht.
3. Da ich voraussetzen wollte, dass hier alles dialogisch vorgeht, will ich das so eben Gesagte ebenso hinterfragen und nicht als Aussage an sich nehmen, sondern als Aussage eines Sprechenden. Entsprechend frage ich an den letzten Abschnitt zurück: „Wer spricht hier?“ und „Was spricht er über die Welt und sich?“. Ich wiederhole einfach das, was eben gesagt wurde als Aussage einer sprechenden Person über die Welt oder über sich: „Ich erzeuge das Denken“, „Ich erfahre mich durch das Denken als Ich, als selbstbewusst Tätiges, als Erzeuger von Existenz“, „Ich bin die reine Erkenntnis, das Selbstschöpferische, das ewige Licht“. – Wer mag das von sich behaupten? Wer spricht hier? Ein „Ich“ jedenfalls, das vom Denken sagt, dass es dieses hervorbringt. Das sagt, dass es durch das Denken Selbstbewusstsein erzeugt, dass seine Existenz, sein Sein nicht aus etwas anderem empfängt, also nicht Geschöpf ist, sondern selbsttätig Schaffend, mithin göttlicher Natur ist. Denn es sind die Götter oder Engel, von denen die Tradition sagt, dass sie, im Gegensatz zu Mensch und Natur, nicht Geschöpf, sondern Schöpfer sind. Und welcher Engel gab, laut Tradition, dem Menschen Erkenntnis, eigenes Denken, Subjektivität? Sein Name ist Luzifer. Von ihm sagt die Tradition, dass er böse sei, weil er dem Menschen die Selbstheit gab, die Ur-Sünde. Ich sage dagegen, Luzifer ist nicht böse, weil er dem Menschen die Selbstheit gab, sondern, weil er sich verhüllt, wenn er selbst spricht. Wie verhüllt sich Luzifer, wenn er spricht? In dem er sich nicht als Gesprächspartner vorstellt, sondern einfach losredet: „Ich erzeuge das Denken“, „Ich bin die reine Erkenntnis“ und so weiter, aber: mich zu dem Glauben verführt, ich wäre selbst der Sprecher. Der Sprecher lebt im Glauben, er wäre es selbst, der der Ursprung des Denkens wäre, dessen Ich das ewige Licht darstelle. Dabei hört er im Denken in sich ein Wesen sprechen, das „Ich“ sagt und sich mit bestimmten Eigenschaften aussagt.
4. Das mythische Bild Luzifers ist die Schlange, die z. B. im Mythos des Sündenfalls dem Menschen Erkenntnisfähigkeit und Selbstverantwortlichkeit gibt, aber zugleich bedingt, dass der Mensch das Paradies verliert, seine naturgegebene Einheit mit Gott und Natur. In Goethes „Märchen von der grünen Schlage und der schönen Lilie“ treffen wir die Schlange wieder als Brücke über den Strom, der das Reich des Jünglings von dem Reich der schönen Lilie trennt. Das Märchen nimmt seinen Beginn damit, dass die Schlange das Gold der beiden Irrlichter verschlingt (die Rudolf Steiner in seinem ersten Mysteriendrama, das aus seiner Beschäftigung mit dem Märchen hervorging, als die beiden Wissenschaftler Capesius und Strader auftreten lässt). Dadurch erhält die Schlange die Kraft, ihre Umgebung durch einen sanften Lichtschein zu beleuchten. Das erlaubt ihr auch, den Innenraum des Tempels nicht nur tastend, sondern sehend zu betreten. Hier wird das erste Tempel-Gespräch hörbar. Der goldene König spricht: „Wo kommst Du her? Aus den Klüften, versetzte die Schlange, in denen das Gold wohnt. Was ist herrlicher als Gold? fragte der König. Das Licht, antwortete die Schlage. Was ist erquicklicher als Licht? fragte jener. Das Gespräch, antwortete diese.“ Es folgt ein Gespräch zwischen dem alten Mann mit der Lampe, der inzwischen auch in den Tempel gekommen ist und dem König; dann ein weiteres Gespräch über drei Geheimnisse, die der alte Mann kennt, von denen das er als Wichtigstes nennt: das offenbare. Dieses offenbare Geheimnis will der Alte eröffnen, sobald er auch das vierte Geheimnis weiss. Die Schlange kennt es und verrät es dem Alten, ohne dass es der Leser erfährt. Dann ertönen zum ersten Mal die Worte: „Es ist an der Zeit“. Diese Worte werden dreimal während des Märchens gesprochen. Systematisch könnte man festhalten: die Worte erklingen zum ersten Mal, nach folgenden Schritten: Das Gold der Irrlichter wird von der Schlange aufgenommen, dann in eigenes Licht verwandelt, das den Tempelraum erleuchten kann und schliesslich das Geschehen in Gespräch umwandelt. Den Tempelraum verstehe ich als das Denken, das nicht mehr nur Eigendenken ist, sondern zum Ort umgebildet ist, in dem „Es“ denkt und spricht. Was aber ist „Es“? Oder besser: „Wer“ ist „Es“? Oben habe ich drei Erscheinungsweisen von „Es“ im Denken geschildert (in Absatz 2): Zuerst das „Es“ in der Form allgemeiner Begriffe, die erscheinen, wenn ich denke. Die Begriffe enthalten das Gesetz für die Gegenstände, sie sind über der Zeit und über dem Raum und sind allgemein. Dann: das „Es“ als „Ich“: „Ich denke“, ich bin es selbst, der das Denken hervorbringt und im Denken meiner selbst bewusst werde. Und schliesslich: Das „Es“ als ein anderes Wesen, das im Denken auftritt und mit der Stimme des „Ich“ spricht.
5. Damit ist für mich der erste Schritt anthroposophischer Forschungs-Methodik gekennzeichnet. Er setzt bei der Aufnahme des Goldes der Irrlichter, der Wissenschaftler an und wandelt dieses in eigenes Licht um, durch das die Welt beleuchtet wird. Der erste Schritt läge so in der eigenen Aufnahme und Verinnerlichung, in der Individualisierung von Wissenschaft: die Aussagen sind selbstgetragen und selbstverantwortet. Die Autorität ist nicht mehr „die Wissenschaft“ oder der Wissenschaftler per Amt, sondern ich selbst bürge für mein Gesprochenes oder Erkanntes. Das ist eine Vorbedingung für den nächsten Schritt, das Gespräch: Denn nur wenn die Aussagen selbstgetragen sind, ist Dialog möglich und auch sinnvoll. Denn sonst könnte man sich ebensogut Bücher anderer vorlesen oder zitieren. Das setzt aber wiederum voraus, dass ich den Hochmut, der in der Selbstermächtigung des Wissens liegt, genannt Luzifer, kenne und auch nicht zur Geltung kommen lassen kann: dass ich hören kann, was der andere mit der Stimme des Ich sagt. Das wieder setzt Demut voraus, die darin liegt, mich vom anderen auch belehren zu lassen. Aber die Schwierigkeit dieser Belehrung besteht darin, dass sie nicht nur ein etwas anderer Wissensinhalt ist, sondern eine Korrektur meines eigenen Wesens bedeutet. Denn ich verbürge ja das zu korrigierende Wissen mit meinem eigenen Wesen. Ich muss sozusagen bereit sein, mich durch den Anderen im Wesen verändern zu lassen, sonst kann ich ihn nicht hören. – Diese Erkenntnismethode braucht nicht nur für Gesprächsbeiträge von Menschen zu gelten, sondern kann auch auf Anderes erweitert werden: Z. B. die Gegenstände der Wissenschaften. Etwa die Zahlen in der Mathematik oder die Begriffe in der Philosophie. Oder eine Pflanze, ein Tier in der Biologie. Oder die Frage: „Was ist an der Zeit?“ Sie selbst können als Wesen angesehen werden, die im Gespräch ihren Gesprächs-Beitrag, ihre Selbst-Offenbarung durch den Menschen geben können. Der Ort an dem sich Wesen offenbaren können, die nicht selbst Menschen sind, sondern denen der Mensch im Denken Stimme und Gehör verleiht, und durch die er sich verändern lässt, nennt die Tradition: Tempel. Es ist der Ort, an dem Geist gegenwärtig sein kann.
6. Wer aber bin „ich“ dann noch, wenn ich der Ort bin, an dem das Andere spricht, und ich durch es verändert werde? Im Märchen lernen wir bald nach der ersten Tempelszene den unglücklichen Jüngling kennen. Er hat durch den Blick der Lilie sein Reich verloren. Krone, Zepter, Schwert und sein Königreich sind ihm genommen. Er trauert um dessen Verlust und er kennt keine Zukunft. Im Blick der Lilie ist die Existenz des Jünglings wertlos, sinnlos, leer geworden. Es ist der Blick auf die eigene Person, aus der Perspektive des Lichtes, des Ich, das sich im Denken erlebt hat. Im Blick auf mich aus der Perspektive der Lilie erscheine ich mir als wertloses Nichts, trauernd über meine Trennung von der Welt. Zugleich wird sichtbar, wie hässlich und ekelhaft mein Eigenwesen ist, wenn ich nicht durch die Selbstblendung des eigenen Hochmutes getäuscht bin. Das einzige Glück das dem Jüngling jetzt noch vorstellbar ist, ist die vollständige Vereinigung mit der Lilie, die ihm aber mit der Berührung zugleich den Tod bringen wird. So geht er zur Lilie und wirft sich ihr in die Arme, den eigenen Tod besiegelnd. Zuvor aber hier zum zweiten Mal das Wort: „Es ist an der Zeit.“
7. Wenn ich einen anderen Menschen anblicke, kann ich meine Aufmerksamkeit darauf lenken, wie er „objektiv“ ist. Dann sehe ich leicht das Hässliche, das Negative, das Unvollkommene. Nimm eine beliebige negative Eigenschaft und bestimme das Wesen eines Mitmenschen als in dieser Eigenschaft liegend. In dieser Handlung würde bemerkbar, dass die scheinbar objektive Wahrheit über den anderen in Wirklichkeit nicht nur ein Abbild einer Wirklichkeit ist. Sondern die Handlung, selbst wenn es richtig wäre, was ich über den anderen denke, würde auch seine Zukunft prägen. Was ein Anderer werden kann, hängt auch davon ab, wie andere auf ihn blicke. So wird sichtbar, dass jeder Blick, jeder Gedanke über andere auch auf die Zukunft des anderen wirkt. Das gilt nicht nur für andere, sondern auch für mich selbst: Wie etwa im vorigen Abschnitt der trauernde Jüngling, der durch den Anblick der Lilie seine eigene Unvollkommenheit vollständig erblickte. Im Denken erfasse ich also nicht nur, was jetzt „objektiv“ da ist, was geworden ist, sondern gestalte an dem mit, was einmal sein wird. Das ist immer der Fall, auch wenn ich meine, nur „die Wirklichkeit“ „abzubilden“. Ich kann also mit dem Denken sehen, was noch gar nicht da ist, sagen, was sein soll und wirke dadurch an der Zukunft des Anderen. Indem das Denken das durchschauen lernt, befreit es sich von dieser Macht des Faktischen. Der Mächtige in der Macht des Faktischen wird in der Anthroposophie „Ahriman“ genannt. Er wirkt so, dass er das Erscheinende als „Sache“ als „Ding“ erscheinen lässt und die Wahrheiten, als „Fakten“, die „objektiv“ so sind. Aber in diesem Blicken liegt eine sich verbergende Kraft, die auch die Zukunft des Angeblickten auf diese Vergangenheit festlegt. In dieser unbemerkten Eigenschaft Zukunft zu schaffen, in dem „nur“ das Faktische festgestellt wird, liegt das Böse Ahrimans. Seine Offenlegung bedarf nicht Demut, wie diejenige Luzifers, sondern Mut. Mut, die Fakten durch Setzungen zu durchbrechen, Mut, die Herrschaft über die Wirklichkeit nicht der Vergangenheit zu überlassen, etwa indem ich das Andere als ein „Du“ ansehe.
8. Hier tritt eine andere Schwierigkeit auf: Wonach soll ich mich denn im Blicken ausrichten? Ich komme in die Verlegenheit, selbst offenlegen zu müssen, was in der Zukunft sein soll. Was ist denn das Kriterium meiner Herrschaft? Die Wahrheit? Schönheit? Güte? Oder, in der Bezeichnung des Märchens, die drei Könige Weisheit, Schein und Gewalt? Was soll denn in Zukunft sein? Oder Besser: Wer soll in Zukunft sein? Goethes Antwort erfahren wir am Ende des Märchens. Die Schlage ist bereit, sich zu opfern. Zuerst legt sie einen Kreis um den Jüngling und verhindert so seinen endgültigen Tod, sie überbrückt die Zeit, bis der Jüngling im Tempel wieder erweckt werden kann. Sie selbst zerfällt dann zu Edelsteinen, die zu einer neuen, mächtigen und öffentlichen Brücke über den Strom werden. Der Jüngling erhält im Tempel – wo zuvor zum dritten Mal die Worte „Es ist an der Zeit“ erklingen – von den drei Königen Krone, Zepter und Schwert verliehen. So erweckt, kann er sich mit der Lilie vereinigen und mit ihr zusammen herrschen. Es herrscht also nicht mehr ein Einzelner, sondern eine Beziehung. Dann spricht der Jüngling: „Herrlich und sicher ist das Reich unserer Väter, aber du hast die vierte Kraft vergessen, die noch früher, allgemeiner, gewisser die Welt beherrscht, die Kraft der Liebe.“ Der alte Mann mit der Lampe erwidert: „Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet, und das ist mehr.“ Goethes Antwort ist also ganz einfach. Er sagt nicht, was herrschen soll, sondern dass Liebe sein soll und „bildet“ das Andere dadurch. Andere können andere Ideale setzen, ich kann mich für die Liebe entscheiden. Vielleicht treffe ich andere, die das auch Wollen. Die Entscheidung beginnt schon im Blicken auf den anderen Menschen, auf die Objekte meiner Interessen oder meiner Wissenschaft. Ihnen eigene Existenz, eigene Würde verleihend frage ich nicht „Was ist es?“, Eigenschaften und Sach-Auskünfte provozierend, sondern ich frage – eine Antwort abwartend: „Wer bist Du?“
9. Ich kann – muss aber nicht – mich dafür entscheiden, die Antwort von dem Gefragten abzuwarten. Dann ist das, was von mir abhängt, die Möglichkeit, für ein eventuelles Antworten einen adäquaten Ort zu schaffen. Dieser Ort wäre für mich einer, an dem wahrhaftig gesprochen wird, offengelegt wird, wer spricht. Also ein Ort der Erkenntnis. Ein Ort, an dem das Gefragte sich bedingungslos als Ich aussagen kann. Also ein Tempel. Ein Ort, an dem es sein kann, wie es „wirklich“ ist, mit allen Schwächen. Also ein Ort der Selbsterkenntnis. Ein Ort, sich selbst zu erschaffen, wie es künftig sein möchte. Also ein Ort der Entwicklung. Ein Ort, an dem das Gesprochene Gehör findet und wo der Sprecher ein „Du“ auf Augenhöhe ist. Also ein Ort des Gesprächs. Diesen Ort wollte ich „Wissenschaft in der Du-Perspektive“ nennen, weil er die Ich-Perspektive kennt und achtet, aber dem Hörenden seinen Namen, das ist seine Vergangenheit offenlegt. Weil er die „Es-Perspektive“ kennt und achtet, aber weiterführt, weil er auf die die Zukunft des Wesens hören will. Weil er die Gegenwart des anderen Wesens voraussetzt. Dieser Ort ist so aber keine „Sache“, die man macht, wie etwa „Wissenschaft“. Aber er ist kein Ort im Raum, sondern ein Ort in der Zeit. Ein Ort, an dem ich fragen würde, wofür sich die anderen entschieden haben. Genauso wie Philipp und Johannes, die offenbar schon da sind. Entschuldigt, ich habe ein bisschen länger gebraucht. Ein Ort für: „Wer ist in der Zeit? Vier Tage Gespräch.“

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